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STRESS

Von Dr. Daya Mullins
STRESS © Bild:photodisc
Wie entsteht Stress? Welche Wirkung hat Stress auf das Köper-Geist-System im Menschen? Welche Rolle spielen Hormone dabei? Je mehr Sie darüber wissen, desto besser können Sie Stress in den Griff bekommen

Normalerweise assoziieren wir Stress mit dem Druck des alltäglichen Lebens. Ferien, Geburten, Scheidungen und Tod sind Situationen, die Stress verstärken, und auch andere Ereignisse können signifikanten Stress erzeugen. Wie zeigt sich dieser Stress in unserem Körper?

Die Antwort kann zum großen Teil in unseren Hormonen gefunden werden. Cortisol ist ein Stresshormon, das in der Nebenniere entsteht. Es hat sehr viele wichtige Aufgaben in unserem Körper, u.a. die Regulation unseres Blutdrucks und der cardiovaskulären Funktion. Es reguliert auch, wie unser Körper Proteine, Kohlenhydrate und Fette verarbeitet. Die Ausschüttung von Cortisol kann durch jegliche Art von Stress hervorgerufen werden, wie z.B. durch physische Traumata, Krankheit oder durch extreme Temperaturen.

Wenn Cortisol ausgeschüttet wird, ruft es einen Zusammenbruch von Muskelproteinen hervor, was zu einer Freisetzung von Aminosäuren, den Bausteinen der Proteine, im Blut führt. Die Leber benutzt diese Aminosäuren – in einem Prozess, der Glykoneogenese genannt wird – um Glukose als Energie zu synthetisieren. Dieser Prozess erhöht den Blutzuckerspiegel, so dass das Gehirn durch vermehrte Glukose mehr Energie zur Verfügung bekommt. Zur gleichen Zeit steht den anderen Geweben weniger Glukose als Brennstoff zur Verfügung. Cortisol veranlasst außerdem die Freisetzung essentieller Fettsäuren aus den Fettzellen und wandelt sie ebenfalls in Kohlenhydrate zur Benutzung durch die Muskeln um.

Diese beiden Prozesse, die die Energie in zwei unterschiedliche Richtungen lenken, bereiten den Körper für Flüchten oder Standhalten (fight or flight) vor – die Fähigkeit, mit Stressoren umzugehen – und stellen sicher, dass das Gehirn eine adäquate Energiezufuhr bekommt.

Wir haben ein ausgetüfteltes Feedback-System in unserem Körper, das die Ausschüttung von Cortisol und die Menge von Cortisol in unserem Blut reguliert. Die Hirnanhangsdrüse stellt Adrenocorticotrophin (ACTH) her und scheidet es aus. Wenn dieses Hormon freigesetzt wird, gibt es den Adrenalindrüsen das Signal, die Produktion und die Ausschüttung von Cortisol zu erhöhen. Wenn der Cortisol-Spiegel über einen bestimmten Grad steigt, haben wir ein negatives Feedback-System, das den Output von ACTH reduziert und so den Cortisol-Spiegel wieder auf sein normales Maß reduziert.

Wir können lernen, emotionales Ungleichgewicht zu transformieren und ganzheitlich für uns selbst und unsere Umgebung zu sorgen. Verschiedene Faktoren können hier je nach Situation betrachtet werden: Rauchen, erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck, Diabetes, Körperumfang am Bauch (abdominale Fettleibigkeit), psychosoziale Faktoren (u.a. Depression, Einsamkeit, mangelnde Kommunikationsfähigkeit und soziale Inkompetenz), Mangel an Ernährung durch Gemüse und Obst, Bewegungsmangel und erhöhter Konsum von Fleisch und Alkohol.

Durch die Reinigung und Aufhebung von Dysstress und das Erkennen und Annehmen von Eu-Stress, dem sogenannten positiven Stress, wandeln wir die negativen Dysstressfaktoren in unserem Leben in positiven Eu-Stress um.

Stress und Gewichtszunahme
Wenn unser Körper einfach eine perfekt geölte Maschine wäre, würde der Cortisol-Spiegel, der durch Stress hervorgerufen wird, zur richtigen Zeit steigen oder sinken, und wir wären immer für die anstehenden Aufgaben bereit. Ein hoher Cortisol-Spiegel produziert jedoch viele schädliche Nebenwirkungen in unserem Körper.

Eine starke Verarbeitung  von Proteinen, Kohlehydraten und Fetten in Blutzucker kann ein ernsthaftes Absinken von Serotonin hervorrufen. Serotonin ist ein „Gutfühl-Hormon“, das als Endprodukt der Verdauung freigesetzt wird. Ein niedriger Serotonin-Spiegel ruft Irritation und Ängstlichkeit hervor, und das, zusammen mit psychologischen Stressoren, zwingt den Körper, Wege zu suchen, den Serotonin-Spiegel wieder zu erhöhen.  Schnell verbrennende Zucker wie die in Schokolade können diese hormonelle Imbalance sofort lösen. So kann sich ein Muster bilden, und wenn unser Körper unter Stress ist, essen wir die Zucker und Fette, die am schnellsten greifen und wie Drogen wirken, die sofort den Stress vermindern. So können einige Lebensmittel als „Comfort-Foods“ wirken, und Menschen, die versuchen, Stress mit Essen zu kompensieren, sind prädestiniert für Fettleibigkeit und andere Essstörungen, wie z.B. Bulimie.

Stress und Gewichtsverlust
Cortisol erhöht den Blutdruck und die Pulsfrequenz, wie bereits erwähnt, und wirkt stimulierend auf den Körper. Die Verarbeitung von Muskelproteinen, Kohlenhydraten und Fetten kann ernsthaften Gewichtsverlust verursachen, wenn diese Nährstoffe nicht ersetzt werden. Anders als der fettleibige Mensch, der Nahrung sucht, um ein Gleichgewicht im Körper wieder herzustellen, ist dieser Typ von Mensch so gestresst, dass er/sie den Appetit verliert und „dahin siecht“, während der Körper seine Vorräte an Muskeln und Fett verbrennt.

Stress und Schmerz
Ein hoher Spiegel an Cortisol führt zu einem plötzlichen Ansteigen von Blutdruck und Pulsfrequenz, und der erhöhte Transfer von Blutzucker zum Gehirn bringt ein erhöhtes Gefühl von ständigem Bereitsein und Wachsamkeit mit sich. Das wäre angebracht, wenn wir wie vor Tausenden von Jahren leben würden und all die chemischen Reaktionen uns für die Schlacht oder den Kampf mit wilden Tieren vorbereiten würden. Diese Reaktionen erhöhen die Sensitivität in unserem gesamten Körper.

Das bedeutet, wenn man normalerweise einen gewissen Grad von Schmerz hat, sagen wir, weil man am Rücken oder am Knie verletzt ist, dann wird die übertriebene Reaktion auf den hohen Spiegel des Stresshormons den Schmerz erhöhen. Wenn man hingegen, aus welchen Gründen auch immer, zu Schmerzen im Verdauungstrakt neigt, wird Stress eine Schmerzattacke im Magenbereich hervorrufen können. Stress wird die Schwächen in unserem Körper finden und sie ausnutzen bzw. weiter verstärken.

Stress und Krankheit
Mit diesem Verständnis, wie weitgreifend die Stress-Hormone wirken, können wir einschätzen, wie gefährlich es sein kann, immer unter Stress zu stehen. Es hat viele medizinische Studien gegeben, in denen statistisch gezeigt wird, dass es fünfmal wahrscheinlicher für Typ A Persönlichkeiten (Menschen, die ständig unter Stress stehen) ist, an Krebs zu erkranken als für Menschen, die sich eher mal zurücklehnen. Ein gutes Beispiel für eine stressige Zeit ist Weihnachten. Die Menschen gehen in dieser Zeit oft sehr weit über ihre Grenzen hinaus.

Menschenmengen, Verkehr, Verwandtenbesuche und all die anderen Anforderungen der Weihnachtszeit bringen sie bis an die Grenzen, bis sie mit dem Stress und der Erschöpfung nicht mehr umgehen können und krank werden. Stress kann jedoch nicht nur Krankheit verursachen, er kann auch bestehende Krankheiten verschlimmern. Wenn man Verdauungsbeschwerden hat und unter Stress kommt, kann es zu etwas Ernsthaftem werden. Wenn man chronische Beschwerden hat, wie z.B. hohen Blutdruck, Herzkrankheiten, Diabetes, Magengeschwüre oder sogar Allergien, kann die Freisetzung des Hormons Cortisol viele bestehende Beschwerden verschlimmern. Die meisten Hautkrankheiten verschwinden nie ganz, sondern haben lange Perioden, wo sie nicht akut sind. Stress bringt eine latente Psoriasis aller Wahrscheinlichkeit nach zum Vorschein.

Wenn wir jetzt verstehen, wie machtvoll die Stress-Hormone sind und wie sie wirken, ist es wichtig, dass wir lernen, wie wir den Stress in unserem Alltag kontrollieren können. Es gibt hauptsächlich zwei Arten, das zu tun: Auf natürliche Art und Weise oder mit Hilfe von Medikamenten.



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